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340.5 Transport von Hand (Heben und Tragen)

Art. 6, 41 VUV
Art. 25 ArGV3

Grundsatz:
Transporte von Hand sind auf ein Minimum zu beschränken. Lässt sich die manuelle Handhabung von Lasten nicht vermeiden, so sind die geeigneten Arbeitsmittel zum Heben, Tragen und Bewegen schwerer oder unhandlicher Lasten zur Verfügung zu stellen, um die Gefährdung der Arbeitnehmer bei deren manuellen Handhabung möglichst gering zu halten. Diese sind in der Grenzwertliste (Kap. 4) festgehalten (1340.5a).

Zumutbare Lastgewichte:
Häufig stellt sich die Frage, welches Gewicht für das Heben und Tragen denn überhaupt zumutbar ist, oder ab wann es kritisch wird und körperliche Überbeanspruchung und Beschwerden auftreten können. Die oberen Richtwerte für zumutbare Lastgewichte betragen 25 kg für Männer und 15 kg für Frauen.

 

Männer

Frauen

Alter

gelegentlich

häufig

gelegentlich

häufig

16 - 18

19

14

12

9

18 - 20

23

17

14

10

20 - 35

25

19

15

11

35 - 50

21

16

13

10

> 50

16

12

10

7

 

Schwangere Frauen
(s. Art. 7 Mutterschutzverordnung)

bis zum Ende des 6. Schwangerschaftsmonats

10

5

ab dem 7. Schwangerschaftsmonats

0

0

Tabelle 1             (gelegentlich: ca. 2 pro Stund --- häufig: mehrmals pro Stunde)

Bei regelmässigem Heben und Tragen (respektive Manipulationen) ist ab Lasten von 12 kg für Männer und 7 kg für Frauen eine Gefährdungsermittlung vorzunehmen.

Der "Gefährdungsermittlung: Heben und Tragen (Ergo-Test)" (1340.5b) ist ein praktisches und leicht verständliches Hilfsmittel zur Beurteilung einer möglichen Gefährdung des Muskel-Skelett-Systems beim Handhaben von Lasten. Sie ist bei allen Tätigkeiten mit manueller Lastenhandhabung anwendbar.

Menschbezogene Kriterien
Hierzu gehören:
  • Geschlecht
  • Alter
  • Konstitution
  • Körpergrösse

Geschlecht:
Frauen weisen im Durchschnitt zirka 60 % der Muskelmasse von Männern auf. Die zumutbaren Lastgewichte für Frauen entsprechen demzufolge nur 60 % der männlichen Werte.
Nach der Mutterschaftsverordnung (Art. 7) dürfen werdende Mütter bis Ende des sechsten Schwangerschaftsmonats nicht mit Arbeiten beschäftigt werden, bei denen regelmässig Lasten von mehr als 5 kg Gewicht oder gelegentlich Lasten von mehr als 10 kg Gewicht von Hand gehoben, bewegt oder befördert werden. Diese Werte gelten auch bei der Inanspruchnahme mechanischer Hilfsmittel wie z.B. von Hebeln, Kurbeln. Ab dem siebten Schwangerschaftsmonat dürfen Schwangere für diese Arbeiten nicht mehr eingesetzt werden.

Alter:
Grösste Hebeleistungen werden im Alter von 20 bis 35 Jahren erreicht. Jugendliche von 14 bis 16 Jahren und Erwachsene über 50 Jahren können noch etwa 2/3 der maximalen Lasten heben.

Konstitution:
Kräftig gebautes Skelett und kräftige, trainierte Muskulatur erlauben, Gewichte von 50 kg und mehr zu heben (diese Voraussetzung ist z.B. oft bei Bauarbeitern, Möbelspediteuren und Rettungssanitätern gegeben). Die Belastung ist bei solchen Personen noch akzeptabel, wenn keine übermässige Ermüdung auftritt und eine rasche Erholung stattfindet. Durch Übung kann eine zweckmässige und körperschonende Hebetechnik erlernt werden, die die Ausdauer während der Arbeitszeit wesentlich verbessert. Zu beachten ist in jedem Fall, dass Folgezustände von Krankheiten und Unfällen die Belastbarkeit vermindern.

Körpergrösse:
Wenn Lasten vom Boden gehoben und beispielsweise auf nicht höhenverstellbare Pack- oder Arbeitstische abgestellt werden, haben grosse Personen in der Regel einen Vorteil. Kleine Personen müssen beim Abstellen der Last die Schultern hochziehen wenn die Abstellfläche zu hoch ist, oder sie beugen sich nach hinten und fallen ins Hohlkreuz.

Hebetechnik:
Die Mitarbeitenden sind über die mit dem Handhaben von Lasten verbundenen Gesundheitsgefahren zu informieren und über das richtige Heben und Tragen von Lasten anzuleiten. Sie sollten die Grundregeln kennen und wissen, was beim manuellen Lastentransport unbedingt vermieden werden muss. Eine gute Hebetechnik schont nicht nur die Bandscheiben (gleichmässige Belastung), sondern den ganzen Bewegungsapparat. Sie hat zusätzlich einen gewissen Trainingseffekt und stärkt die Muskulatur.

Grundregeln:

  • Auf sicheren Stand achten
  • Last sicher greifen, nach Möglichkeit mit beiden Händen
  • Aus der Hocke heben (nur so tief wie nötig)
  • Mit gestrecktem, flachem Rücken heben und tragen
  • Last nahe am Körper halten

Unbedingt zu vermeiden:

  • Krummer Rücken
  • Hohlkreuz
  • Ruckartige Hebebewegungen
  • Verdrehen des Oberkörpers beim Anheben und Abstellen
  • Schweres einseitiges Heben und Tragen
  • Verdeckte Sicht

Lastbezogene Kriterien
Hierzu gehören:

  • Lastgewicht
  • Form, Volumen
  • Schwerpunkt
  • Stabilität
  • Greifbarkeit der Last

Lastgewicht:
Siehe Tabelle 1 am Anfang des Kapitels
Lasten schwerer als 10 kg sollten immer mit dem Lastgewicht angeschrieben sein. Schwere Lasten, die nicht mehr von Hand bewegt werden können, müssen Lastaufnahmemöglichkeiten für mechanische Hebezeuge haben. Dies kann sein in Form von Ösen für das Anbringen von Seilen oder Gurten, Gewinde für Ringschrauben oder auch Aussparungen für Staplergabeln.

Lastform:
Lasten von gleichem Gewicht aber unterschiedlicher Form werden nicht gleich schwer empfunden. Ein 25 kg Sack lässt sich gut auf der Schulter tragen, ein 25 kg Stahlprofil mit scharfen Kanten weniger gut.

Lastvolumen:
Das Tragen sperriger Güter kann oftmals nur mit unnatürlicher Körperhaltung bewerkstelligt werden. Lange und unhandliche Lasten müssen ggf. von zwei Personen getragen werden, auch wenn sie leicht sind. Voluminöse Lasten müssen mit mässig gespreizten Armen sicher erfasst werden können. (Abmessungen ca. 80 % der Armspannweite). Lasten dürfen nicht so gross sein, dass sie beim Tragen die Sicht verdecken oder behindern. Die Last darf nur so gross sein, dass ein sicheres Schreiten möglich ist.

Lastschwerpunkt:
Bei vielen Produkten, die in Gehäuse eingebaut sind, oder verpackt sind, sieht man nicht, wo sich der Schwerpunkt befindet. Dies ist bei vielen Haushalts- oder Elektrogeräten der Fall. Hersteller oder Lieferanten sollten deshalb bei allen Gewichten über 10 kg die Lage des Schwerpunktes angeben. (Kreisfläche mit 2 hellen und zwei dunklen Vierteln). Die Last soll so getragen werden, dass der Schwerpunkt so nahe wie möglich am Körper ist. Bei Flüssigkeiten in nur teilweise gefüllten Behältern verändert sich die Lage des Schwerpunktes beim Tragen ständig und es entstehen Fliehkräfte. Das erschwert den manuellen Transport.

Stabilität:
Elastische oder biegsame Lasten sollten stabilisiert oder verstärkt oder in stabilen Gebinden getragen werden. Zum Stabilisieren nur leichte aber starre Materialien wie Holzlatten verwenden und diese direkt an der Last befestigen.

Greifbarkeit der Last:
Lasten sollten mit beiden Händen fest und sicher gegriffen werden können. Scharfkantige Lasten dürfen nur mit guten Schutzhandschuhen gegriffen werden. Besondere Vorsicht ist geboten beim Handling von abgeschnittenen Blechtafeln. Lasten mit glatten Oberflächen sind mit Traggriffen oder Griffmulden zu versehen oder müssen mit entsprechenden Hilfsmitteln getragen werden. (Magnettragegriffe, Vakuumgriffe oder Behälter). Maschinenteile oder Abdeckungen, die zu Unterhalts- oder Wartungszwecken immer wieder demontiert werden, sollten auf jeden Fall mit Halte- bzw. Tragegriffen ausgestatten sein.

Situationsbezogene Kriterien
Hierzu gehören:

  • Transportdistanz
  • Beschaffenheit des Transportweges
  • Hebehöhe  
  • Hebehäufigkeit
  • Hilfsmittel
  • Klima
  • Bekleidung

Transportdistanz:
Lasten, die im Normalfall ohne Probleme von Hand gehoben werden, können beim Tragen über längere Distanzen zur Überlastung führen. Um das zu vermeiden, sollten von vornherein geeignete Transportmittel zur Verfügung gestellt werden. Falls längere Transportwege eher selten vorkommen, und die Anschaffung eines Transportmittels unverhältnismässig wäre, sollten Zwischenhalte zum Abstellen der Last eingeschaltet werden. Am besten schreitet man den Weg zunächst ohne Last ab, um geeignete Abstellflächen zu finden.

Beschaffenheit des Transportweges:
Der Transportweg kann uneben, rutschig oder auch holprig sein. Er kann über Treppen, Leitern oder Gerüste führen. Es können Hindernisse wie Rohrleitungen oder abgestelltes Material im Weg sein. Ggf. müssen beim Tragen Türen geöffnet oder Lichtschalter betätigt werden. Was mit leichten Gegenständen bereits kompliziert ist, kann mit langen, sperrigen oder schweren Lasten zum Unfallrisiko werden. Deshalb ist es sehr wichtig, den Transportweg vorher abzuschreiten und ggf. vorhandene Hindernisse zu beseitigen.

Hebehöhe:
Die grösste Tragkraft wird in aufrechter Körperhaltung bei kurzem Lasthub erreicht. In aufrechter Körperhaltung ist der Druck auf die Bandscheiben der unteren Lendenwirbelsäule ca. 25 bis 30 % geringer, als beim Heben mit vorgebeugtem Oberkörper. Beim Heben mit gestrecktem Rücken sind die Bandscheiben gleichmässig belastet. Beim Heben mit gebeugtem Oberkörper werden sie in Keilform gepresst. Das ergibt vorne eine übermässige Druckbelastung und hinten eine Beanspruchung auf Zug. Überbelastungen dieser Art können zum Bandscheibenvorfall führen. In der Regel werden Lasten vom Boden gehoben und auf Tischen, Regalen oder Wagen abgestellt. Wenn unterschiedlich grosse Personen am gleichen Arbeitsplatz regelmässig Lasten heben oder bewegen müssen, sollten Abstellflächen in der Höhe verstellbar sein. Kleinere Personen müssen die Lasten abstellen können, ohne dabei die Schultern hochzuziehen oder ins Hohlkreuz zu fallen. Hebehöhen über Kopf sollten nach Möglichkeiten vermieden werden (Bereitstellen von Hubgeräten, Aufstiegshilfen oder Podesten).

Hebehäufigkeit:
Die in Tabelle 1 angegebenen zumutbaren Lastgewichte gelten für gelegentliches Heben und Tragen, wobei „gelegentlich" ca. 2 Mal pro Stunde bedeutet. Bei regelmässigem oder häufigem Heben (mehrmals pro Stunde), sind die Werte der Tabelle um ca. 25 % zu reduzieren (siehe auch Abschnitt „Ermittlung der körperlichen Belastung").

Hilfsmittel:
Generell sollte das manuelle Handhaben schwerer Lasten vermieden werden. Wenn immer möglich sollten stattdessen mechanische Ausrüstungen wie Krane und Hubgeräte eingesetzt werden. Für sporadische Transporte ist die Miete eines Gerätes oftmals die wirtschaftliche Lösung. Für unvermeidbare manuelle Lastentransporte sind in jedem Fall geeignete Hilfs- oder Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen.

Klima und Bekleidung:
Je schwerer die muskuläre Arbeit ist, desto mehr muss die Hitzeeinwirkung eingeschränkt werden, oder umgekehrt, je grösser die Hitzeeinwirkung, desto weniger anstrengend darf die Muskelarbeit sein. Für die Wärmebilanz des Körpers spielen die Isolationseigenschaften der Kleider eine wesentliche Rolle. In der Regel wird bei anstrengender körperlicher Arbeit eine leichtere oder atmungsaktive Bekleidung gewählt. Spediteure von Kühlprodukten sind oft grossen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Verschwitzte Arbeitskleider sollten vor Betreten von Kühlräumen immer gewechselt werden.