• Begriffe
  • 200 Angaben zum UVG und zur UVV
  • 300 Angaben zur VUV: Geltungsbereich, Pflichten der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, ASA-Beizug
  • 307A Angaben zur VUV: Beizug von Arbeitsärzten und anderen Spezialisten der Arbeitssicherheit (ASA-Beizug)
  • 309A Angaben zur VUV: Gebäude und andere Konstruktionen
  • 321A Angaben zur VUV: Arbeitsmittel
  • 330A Angaben zur VUV: Arbeitsumgebung
  • 336A Angaben zur VUV: Arbeitsorganisation
    • 337 Arbeitskleidung, PSA (Persönliche Schutzausrüstungen)
      • 337.1 Begriffe Arbeitskleidung, PSA (Persönliche Schutzausrüstung)
      • 337.2 Grundsätzliches Schutzziel
      • 337.3 Kategorien und Kennzeichnung der PSA
      • 337.4 Zur Verfügung stellen, Bezahlung, Reinigung, Pflege sowie Instandsetzung von Arbeitskleidern und PSA
      • 337.5 Schutzkleidung
      • 337.6 Kopfschutz
      • 337.7 Augen- und Gesichtsschutz
      • 337.8 Gehörschutz
      • 337.9 Atemschutz
      • 337.10 Handschutz / Armschutz / Hautschutz
      • 337.11 Fussschutz
      • 337.12 Schutzausrüstungen zum Halten und Retten
      • 337.13 Schutz gegen Absturz
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    • 340 Transport von Waren
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    • 343 Arbeiten an Arbeitsmitteln
    • 344 Gesundheitsgefährdende Stoffe
    • 345 Schutz gegen gesundheitsgefährdende Strahlen
    • 346 Brandgefährliche (brennbare) Flüssigkeiten
  • 351 Angaben zur VUV: Organisation der Aufsicht
  • 381 Angaben zur VUV: Vollzug der Vorschriften über die Arbeitssicherheit (Durchführungsverfahren)
  • 400 Angaben zur VUV: Arbeitsmedizinische Vorsorge
  • 431 Angaben zur VUV: Finanzierung der Kosten der Aufsicht
  • 450A Verfahren und Rechtspflege, Schlussbestimmungen der VUV
  • 500A Angaben zu weiteren Erlassen
  • EKAS-Richtlinie Nr. 6508 über den Beizug von Arbeitsärzten und anderen Spezialisten der Arbeitssicherheit
  • EKAS-Richtlinie Nr. 6512 Arbeitsmittel
  • Ergänzungsband
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337.5 Schutzkleidung

Art. 5 und 38 VUV

A. Wann ist Schutzkleidung zu benutzen?

Geeignete Schutzkleidung ist zur Verfügung zu stellen und zu benutzen, wenn mit einer Gefährdung des Körpers zu rechnen ist durch:

  • mechanische Einwirkungen,
    z. B. spitze und scharfe Gegenstände, sich bewegende Teile wie Wellen, Strahlmittel
  • chemische Einwirkungen,
    z. B. Säuren, Laugen, Lösemittel, Stäube, Öle
  • biologische Einwirkungen,
  • Mikroorganismen,
    z. B. Bakterien, Viren, Pilze
  • thermische Einwirkungen,
    z. B. Wärmestrahlung, Kontaktwärme, glühende Teilchen, Flüssigmetallspritzer, Flammen, Lichtbogen, Kälte
  • physikalische Einwirkungen,
    z. B. Strahlung, Nässe, Stäube
  • elektrische Einwirkungen
    z. B. Berührungsspannung, Funkenbildung auch durch elektrische Entladungen
  • Nichterkennbarkeit der Person (Warnkleider)
    z. B. Arbeiten im Straßen- bzw. Verkehrsbereich
  • Einwirkung von Feuchte und Witterung
    z. B. Arbeiten im Freien.

B. Was ist bei der Benutzung von Schutzkleidung besonders zu beachten:

  • Universell einsetzbare Schutzkleidung steht nicht zur Verfügung und wird auch aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen nicht entwickelt werden können. Material und Ausführung der Schutzkleidung sind in jedem Einzelfall ausgehend von den am Arbeitsplatz vorliegenden Gefährdungen festzulegen. Bekleidungsphysiologische Gesichtspunkte sollen ebenfalls berücksichtigt werden, da Material und Ausführung den Wärme- und Feuchtigkeitsaustausch des Körpers mit der Umgebung und damit das Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und die Akzeptanz beeinflussen.
  • Isolierende Schutzanzüge ohne Wärmeausgleich sind so gestaltet, dass sie von geübten Personen maximal 30 Minuten getragen werden können. Längere Tragezeiten können die Gesundheit schädigen.
  • Von grösster Bedeutung ist die sachgerechte Reinigung, Pflege und Reparatur der Schutzkleidung nach Angaben der Betriebs-, Bedienungs- und Wartungsanweisungen des Inverkehrbringers (Herstellers).
  • Es ist darauf zu achten, dass keine Schadstoffe von oben in die Stiefel gelangen können (z.B. durch Tragen der Schutzhosen über den Stiefeln oder einer ausreichend langen Schürze).
  • Die Schutzkleidung muss in Abhängigkeit von den Einsatzbedingungen und entsprechend der Betriebs-, Bedienungs- und Wartungsanweisungen des Inverkehrbringers (Herstellers) in regelmässigen Zeitabständen auf ihre Gebrauchstauglichkeit überprüft werden.
  • Der Inverkehrbringer (Hersteller) muss mit der Schutzkleidung Anweisungen liefern, z.B. Erläuterungen aller Piktrogramme, Leistungsstufen und Prüfungen, die vor Gebrauch vom Benutzer durchzuführen sind, Art und Weise des An- und Ablegens, Gebrauchseinschränkungen, Anleitung zu Lager und Pflege.
  • Tragen von Schutzkleider mit kurzen Beinen und Ärmeln. Auch bei hochsommerlicher Hitze oder an besonders warmen Arbeitsplätzen hat die Arbeitssicherheit immer Vorrang. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber bei seinen Arbeitnehmenden auch bei hohen Temperaturen und trotz aller Einwendungen nicht zulassen darf, dass Schutzkleidung getragen wird, die den erforderlichen Schutz gegen gesundheitliche Gefährdungen am Arbeitsplatz nicht gewährleistet. Er muss durchsetzen, dass seine Arbeitnehmenden jene Schutzkleidung benutzen, welche er aufgrund der Ergebnisse seiner Gefahrenermittlung und Risikoanalyse zum Tragen angeordnet hat.

C. Was wird unter dem Begriff Warnkleidung verstanden?

  • Warnkleider sind Schutzkleider, welche die Anwesenheit der Personen visuell signalisieren, mit der Absicht diese in gefährlichen Situationen bei allen möglichen Lichtverhältnissen am Tage sowie bei Anstrahlen mit Licht (z.B. Fahrzeugscheinwerfer) in der Dunkelheit auffällig zu machen.

D. Was ist bei der Auswahl, Beschaffung und Benutzung von Warnkleidern besonders zu beachten:

  • Um die Auswahl und Beschaffung von Warnkleidern für einen bestimmten Arbeitsbereich sicherzustellen, ist es notwendig die auftretenden Gefahren zu ermitteln und die Beurteilung der Risiken vorzunehmen.
  • Die Warnkleider haben der Norm SN EN 471 (1337.5) zu entsprechen. Für Warnkleidung bei Arbeiten im Strassenbereich ist zusätzlich die Norm SN 640710c (1337.5) einzuhalten
  • Arbeiten bei Tageslicht, wo sowohl z.B. mit Verkehrsgefahren als auch mit Einwirkungen von Flammen, Funken oder Schweissperlen zu rechnen ist, erfordern Schutzkleider mit flammhemmenden Eigenschaften und den Warneigenschaften nach SN EN 471. Das heisst: Diese Schutzkleider müssen aus Materialien mit fluoreszierenden Farben hergestellt und mit den notwendigen retroreflektierenden Streifen versehen sein, einen niedrigen Wasserdampfwiderstand gewährleisten (atmungsaktiv sein) und zudem die in dieser Norm eingebundenen ergonomischen Anforderungen erfüllen. Dazu müssen sie schwerbrennbare Eigenschaften aufweisen, je nach Tätigkeit, entsprechend EN ISO 11611 (Schweissarbeiten), EN ISO 11612 Industrieflammen- und hitze), EN ISO 14116 (Brennbarkeit) oder ASTM F1959-1999 (Lichtbogenschutzwert, amerik. Norm). Ferner müssen sie wo nötig anti-statische Schutzfunktionen nach EN 1149-1 oder Schutzeigenschaften gegen Chemikalien nach EN ISO 6530 und EN 13034 erfüllen (1337.5).
  • An dunklen Arbeitsplätzen (z.B. im Untertagbau) beziehungsweise überall dort, wo fluoreszierende Farben ihre Wirkung ohne Tageslicht nicht entfalten können, kann, gegenüber den Regeln bezüglich fluoreszierender Farben nach SN EN 471, auch auf andere nichtfluoreszierende Textilien in den auffälligen Farben Gelb, Orange-Rot oder Rot nach Tabelle 2, SN EN 471, zurückgegriffen werden. Warnkleider aus solchen "Alternativstoffen" müssen aber trotzdem mit den vorgeschriebenen retroreflektierenden Streifen nach SN EN 471 ausgerüstet und je nach Tätigkeiten mit Einwirkungen von Funken, Flammen, Schweissperlen usw. auch schwerbrennbar sein, entsprechend EN ISO 11611, 11612, 14116 oder ASTM F1959-1999 beziehungsweise Schutzfunktionen erfüllen nach EN 1149-1, EN ISO 6530 oder EN ISO 13034 (1337.5).
  • Arbeiten unter feuchtwarmen Klimabedingungen (z.B. im Untertagbau) erfordern Warnkleider aus besonders atmungsaktiven Materialien.

Der Lieferant von Schutzkleidung ist vom Betrieb eingehend darüber zu informieren, gegen welche Gefahren die Schutzkleidung zu schützen hat.

Regelwerke und weitere Informationen zu Schutzkleidung siehe 1337.5