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317.4 Zahl und Anordnung von Treppenanlagen, Ausgängen und Fluchtwegen

Art. 20 Abs. 3 VUV
Art. 8 , 10 ArGV 4

Bemerkung: Die nachfolgenden Anforderungen sind identisch mit denjenigen, welche in der Verordnung 4 des Arbeitsgesetzes festgehalten und in der entsprechenden Wegleitung konkretisiert sind (1317.4).

Zahl und Anordnung von Treppenanlagen und Ausgänge

Treppenanlagen gelten als vertikale Hauptverkehrs- und Fluchtwege und umfassen:

  • Treppenhäuser
  • Aussentreppen (Treppen im Freien)
  • Sicherheitstreppenhäuser (Treppenhaus, das gegen das Eindringen von Rauch und Feuer besonders geschützt, auf jedem Geschoss nur durch eine Schleuse oder über ständig ins Freie offene Gänge und Vorplätze zugänglich ist).

Treppenanlagen müssen unmittelbar ins Freie führende Ausgänge aufweisen (317.11).

Als Fluchtwege müssen zur Verfügung stehen:

  • bei Geschossflächen bis 600 m2 mindestens eine Treppenanlage bzw. ein direkter Ausgang ins Freie
  • bei Geschossflächen bis 1800 m2 mindestens zwei und für je weitere angebrochene 900 m2 eine zusätzliche Treppenanlage
  • in Gebäuden mit mehr als acht Vollgeschossen oder mehr als 25 m Höhe bis 600 m2 Geschossfläche mindestens eine und für je weitere angebrochene 600 m2 eine zusätzliche Treppenanlage.

Die Basis für die Festlegung der Anzahl Ausgänge bzw. Fluchtwege bilden die Geschossflächen. Einbezogen in die Berechnung wird auch die Anzahl der Geschosse. Zusätzlich sind jedoch die Fluchtweglängen zu berücksichtigen. Die Zahl der Treppenanlagen bzw. Ausgänge kann sich deshalb, je nach Raumaufteilung und Anordnung der Korridore, noch erhöhen.
Als massgebende Geschossfläche für die zahlenmässige Berechnung von Treppen und Ausgängen gilt jene nutzbare Bodenfläche, welche durch die Innenabmessungen der Gebäudeumhüllung begrenzt wird. Nicht abziehbar sind die Querschnitte von Raumtrennungen, da diese die Fluchtwegverhältnisse direkt beeinflussen.

Die endgültige Anzahl Fluchtwege ergibt sich jedoch erst aufgrund der Anordnung / Lage der Treppenanlagen bzw. Ausgänge gemäss:

  • Anordnung an den Gebäudeenden ( Art. 7 Abs. 4 ArGV 4) und
  • Fluchtwege (Art. 8 ArGV 4)

Beispiel für die Bestimmung der Anzahl der Fluchtwege:

Aussenabmessungen des Gebäudes

Breite 42 m, Länge 63 m

Gebäudegrundfläche

2’646 m2

Stärke der Aussenwand (Beton)

40 cm

Innenabmessungen des Gebäudes

Breite 41,2 m / Länge 62,2 m

Geschossfläche

2562 m2

Max. Fläche für 2 Ausgänge

-1’800 m2

Rest

762 m2 (1x angebrochene 900 m2)

Für dieses Gebäude sind deshalb mindestens 3 Treppenanlagen bzw. Ausgänge zu erstellen.

Anordnung an den Gebäudeenden:
Von jedem Raum eines einzelnen Untergeschosses muss wenigstens eine Treppenanlage und zusätzlich ein sicher benutzbarer Notausgang erreichbar sein; mehrere Untergeschosse müssen wenigstens zwei Treppenanlagen aufweisen.

Bei Geschossen, die über dem Erdboden liegen, besteht im Notfall in der Regel noch eine Evakuierungsmöglichkeit von Personen über Fenster und Leitern durch die Feuerwehr. Dies fällt bei Untergeschossebenen wegen der geschlossenen Gebäudehülle ausser Betracht.

Aus Untergeschossen sollten deshalb immer mindestens zwei Fluchtwege vorhanden sein (siehe nachstehende Abbildung und Legende 407-6 aus der Wegleitung zur Verordnung 4 zum ArG).

Diese Überlegung für Untergeschosse gilt sinngemäss auch für fensterlose Gebäudeteile (z.B. bei besonderen Massnahmen hinsichtlich Sicherheit und Umweltschutz) oder grösserer Räume, unabhängig von der vertikalen Lage in einem Gebäude, z.B. in Obergeschossen.
Bei Gebäuden oder Gebäudeteilen mit nur einem unter Terrain liegenden Geschoss soll aus diesem mindestens eine Treppenanlage und überdies ein sicher benutzbarer Notausgang ins Freie führen. Anstelle eines Notausgangs kann ein Notausstieg erstellt werden, wenn bauliche Gründe diesen fördern oder wenn in den Räumen des Untergeschosses keine besondere Gefährdung besteht, d.h.

  • kein erhöhtes Brandrisiko besteht und
  • keine Einrichtungen mit besonderer Brand- und Explosionsgefahr (334.8, 334.9) installiert sind

Notausstiege, z.B. durch Fenster, sind ergonomisch zugestalten und die lichte Öffnung sollte mindestens eine Höhe von 0,8 m und eine Breite von 0,6 m haben.
Im Gegensatz zu einem Untergeschoss, wo ein Notausgang / Notausstieg als zweiter Fluchtweg genügt, müssen bei mehreren Untergeschossen immer mindestens zwei Treppenanlagen vorhanden sein (unanhängig von der Geschossfläche / siehe oben Abbildung und Legende 407-6).

Bei zwei oder mehr Ausgängen oder Treppenanlagen dürfen diese höchstens 15 m von den Gebäudeenden entfernt sein. Dieser Grundsatz besteht aus der Überlegung heraus, dass aus allen Räumen immer möglichst zwei voneinander unabhängige Fluchtwege zur Verfügung stehen. Auch in Bezug auf allfällige Gebäudeerweiterungen erweist sich eine endständige Lage der Treppenanlagen als vorteilhaft (siehe nachstehende Abbildungen 408-4 und 408-6 aus der Wegleitung zur Verordnung 4 zum ArG).

In Gebäuden mit mehr als acht Vollgeschossen oder mehr als 25 m Höhe müssen die erforderlichen Treppenanlagen als Sicherheitstreppenanlagen ausgebildet sein. Da im Notfall Aufzugsanlagen auch in hohen Gebäuden nicht benutzt werden dürfen und in der Regel nur vertikale Fluchtwege zur Verfügung stehen, ist für das Verlassen eines Hochhauses mehr Zeit erforderlich. Auch ist eine Evakuierung über Fenster und Leiter durch die Feuerwehr als letzte Massnahme nicht mehr möglich. Treppenanlagen von hohen Gebäuden müssen deshalb höheren Sicherheitsanforderungen gerecht werden. Dies gilt sowohl für die Geschosszugänge (Schleuse) als auch für den Feuerwiderstand dieser Fluchtwege.
Für die Planung und Ausführung von Sicherheitstreppenanlagen gelten die schweizerischen Brandschutzvorschriften (VKF: 1339.3a).

Fluchtwege
Fluchtwege sind vorbereitete und freizuhaltende Verkehrswege (316), deren Benützung im Notfall ohne Unfallgefahr gewährleistet sein muss. Besonders wichtig ist, dass ein neues Fluchtwegkonzept auch mit Blick in die Zukunft geplant wird und Nutzungsänderungen nach Möglichkeit miteinschliesst. Insbesondere in Gewerbe und Industriebetrieben sind, z.B. aus Gründen der Sicherheit, des Gesundheitsschutzes oder der Produktionstechnik besondere Verhältnisse anzutreffen, welche eine Beurteilung im Einzelfall erfordern.

Die gesamte Fluchtweglänge setzt sich zusammen aus den Abschnitten "Raum" und "Korridor"; dabei wird die Fluchtweglänge im Raum als Luftlinie gemessen, d.h. Möblierungen und Lagereinrichtungen werden nicht berücksichtigt, hingegen feste Wände schon; innerhalb des Korridors gilt die Gehweglinie (siehe nachstehende Abbildungen und Legenden 408-1und 408-2 aus der Wegleitung zur Verordnung 4 zum ArG).

Die Strecke innerhalb einer Treppenanlage und zugehörige Ausgangskorridore oder Vorräume bis zum Fassadenausgang (in der Regel Erdgeschoss) wird nicht der Fluchtweglänge angerechnet.

Die maximalen Fluchtweglängen sind:

  • 35 m für den Abstand jedes Aufenthaltsort im Gebäude zur nächsten Treppenanlage oder zum nächsten Ausgang und
  • 50 m, wenn mindestens zwei Ausgänge / Treppenanlagen vorhanden sind

Diese Maximallängen sind aber ihrerseits an weitere Bedingungen geknüpft. So kann eine Fluchtweglänge von 50 m nur geltend gemacht werden, wenn die Erschliessung eines Gebäudeteils mittels Korridor erfolgt. Die Fluchtweglängen sind in der Regel unabhängig von der Personenbelegung in Räumen und Gebäuden einzuhalten.

Anforderungen an die maximal zulässige Fluchtweglänge in Räumen, in Abhängigkeit von der Zahl der Ausgänge und die Bedingung, wann ein Korridor als Verbindung zwischen den Raumausgängen und Treppenanlagen einzubauen ist:

Fluchtwege in Räumen (ohne Korridor):

  • maximal 20 m, wenn ein Ausgang oder eine Treppenanlage vorhanden ist (siehe nachstehende Abbildung und Legende 408-3 aus der Wegleitung zur Verordnung 4 zum ArG)
  • maximal 35 m, wenn zwei oder mehr Ausgänge oder Treppenanlagen vorhanden sind (siehe nachstehende Abbildung und Legende 408-4 aus der Wegleitung zur Verordnung 4 zum ArG)

Gesamtfluchtweglänge (Raum + Korridor):

  • maximal 35 m, wenn ein Ausgang oder eine Treppenanlage vorhanden ist (siehe obenstehende Abbildung und Legende 408-3 aus der Wegleitung zur Verordnung 4 zum ArG)
  • maximal 50 m, wenn zwei oder mehr Ausgänge oder Treppenanlagen vorhanden sind (siehe obenstehende Abbildung und Legende 408-4 aus der Wegleitung zur Verordnung 4 zum ArG)

Anforderungen bei Korridoren an den Feuerwiderstand:

Damit Korridore, welche als Fluchtwege dienen, vor allem im Brandfall oder bereits bei einer Verqualmung, im Innern der Gebäude sicher begangen werden können, müssen sie einer bestimmten Feuerwiderstandsklasse (Schweizerische Brandschutzvorschriften; Richtlinie Pkt. 3.5.3) entsprechen. Zur Prüfung und Festlegung des Einzelfalles empfiehlt es sich, die Anforderungen zusammen mit der zuständigen Feuerpolizei festzulegen.

Übersicht; Ausgänge / Treppenanlagen und Fluchtwege:

In der nachstehenden Abbildung 408-6 aus der Wegleitung zur Verordnung 4 zum ArG werden als Zusammenfassung mögliche Anordnungen einer Fluchtwegführung und der Lage von Treppenanlagen in Abhängigkeit von Fluchtweglängen dargestellt (Raum / Korridor-Konstellationen, aussen- und innenliegende Treppen, endständige Anordnung von Ausgängen und Treppen).

Als Innenhof wird ein offener, freier Raum innerhalb der ihn umgebenden Bauten verstanden, welcher in der Regel auch mit Fahrzeugen befahren werden kann (siehe nachstehende Abbildung und Legende 408-7 aus der Wegleitung zur Verordnung 4 zum ArG).

Dieser kann teilweise überdacht sein. Ob ein Innenhof als sicherer Bereich bzw. Fluchtweg gilt und als Ausgang ins Freie betrachtet werden kann, hängt vom Einzelfall ab. Auf jeden Fall sind grössere Abmessungen eine wesentliche Voraussetzung dafür. Wichtig ist, dass ein Innenhof jederzeit unabhängig von den Örtlichkeiten durch einen geschützten Hofausgang (in der Regel freier ummauerter Durchgang) verlassen werden kann.